Österreichischer Faustballbund - ÖFBB

26.10.2026

Faustball-Ehrenamtler in Österreich: Erich Zöttl – „Der Wegbegleiter“

Für Erich Zöttl war Faustball von klein auf ein Teil seines Lebens. Was einst beim MTV Hernals begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Geschichte ehrenamtlichen Engagements. Seit rund vier Jahrzehnten steht er an der Spitze des FV ASKÖ Jedlesee, war darüber hinaus Landespräsident, Trainer, Spieler und Schiedsrichter. Kaum jemand hat den Faustballsport in Wien über einen so langen Zeitraum in derart unterschiedlichen Funktionen mitgestaltet. Doch wer mit Zöttl über seine Laufbahn spricht, merkt schnell: Nicht Ämter, Titel oder sportliche Erfolge stehen für ihn im Mittelpunkt. Seine größte Freude gilt seit jeher der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ihnen den Faustball näherzubringen, sie zu begleiten und ihnen durch den Sport etwas mitzugeben – das ist es, was ihn bis heute antreibt.

Die Verbindung zum Faustball wurde Erich Zöttl praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater war Obmann des MTV Hernals, spielte selbst Faustball und baute im Verein rund um seine beiden Söhne Walter und Erich eine Jugendmannschaft auf. Was als gemeinsame sportliche Aktivität innerhalb der Familie begann, entwickelte sich zu einer lebenslangen Leidenschaft. Als Spieler beschreibt sich Zöttl selbst mit bemerkenswerter Bescheidenheit. „Als Spieler war ich talentmäßig limitiert, habe aber immer gerne gespielt.“ Dass aus dem begeisterten Faustballer einmal einer der beständigsten Funktionäre des Wiener Faustballs werden würde, war damals wohl kaum absehbar.

Seinen Weg zum FV ASKÖ Jedlesee verdankt er schließlich einer ungewöhnlichen Geschichte. Der Mittelschullehrer Franz Mossböck, der an der Deublergasse unterrichtete, war mit seinen Schulmannschaften beim Fußball regelmäßig wenig erfolgreich. Also machte er sich auf die Suche nach einer anderen Schulsportart – und entdeckte den Faustball. Über Kontakte zu Lehrern anderer Schulen entstand schließlich eine eigene Lehrermannschaft.

Zöttl erinnert sich noch gut an die ersten Begegnungen: „Ich habe noch mit Hernals gegen diese gespielt. Sie hatten zwar keine Ahnung, aber eine große Hetzt.“ Als sich die Hernalser Mannschaft schließlich auflöste, stand er vor einer Entscheidung: den Sport wechseln oder einen neuen Faustballverein suchen? Er entschied sich für Letzteres und fragte bei der Lehrermannschaft an: „Könnt ihr mich brauchen?“ Die Antwort sollte seinen weiteren Lebensweg entscheidend prägen: „Ja, super. Wir wollen eh einen eigenen Verein gründen.“ Aus dieser Begegnung entwickelte sich der FV ASKÖ Jedlesee, der 1987 gegründet wurde. Für Erich Zöttl begann damit eine Vereinsgeschichte, die bis heute andauert.

Vier Jahrzehnte im Dienst des Vereins


Seit rund 40 Jahren ist Erich Zöttl Obmann des FV ASKÖ Jedlesee. Eine Zeitspanne, in der sich nicht nur der Faustballsport, sondern auch die Gesellschaft und das Vereinsleben grundlegend verändert haben. Wer so lange Verantwortung trägt, erlebt zwangsläufig sportliche Höhepunkte, schwierige Phasen und Veränderungen innerhalb des Vereins. Wer über einen so langen Zeitraum Verantwortung trägt, erlebt zwangsläufig sportliche Höhepunkte, schwierige Phasen und zahlreiche Veränderungen innerhalb des Vereins. Für Zöttl steht dabei weniger der Rückblick auf einzelne Erfolge im Vordergrund als vielmehr die aktuelle Situation. Wie entwickelt sich der Verein weiter? Wie gelingt es, Kinder und Jugendliche für den Faustball zu begeistern? Und wie kann der Sport in Wien langfristig bestehen? Fragen, die ihn über all die Jahre begleitet haben und bis heute beschäftigen.

Auch deshalb beschränkte sich sein Engagement nie nur auf den eigenen Verein. Mehr als zehn Jahre lang stand Zöttl auch als Präsident an der Spitze des Wiener Faustballverbandes. Die Zeit war von großen Herausforderungen geprägt. Die Zahl der Vereine sowie der aktiven Spielerinnen und Spieler ging zurück. Trotz verschiedener Initiativen und Projekte gelang es nicht, diese Entwicklung dauerhaft umzukehren. „Leider gab es in dieser Zeit eine Reduktion von Vereinen, Spielerinnen und Spielern. Dieser Trend konnte auch durch verschiedene, durchaus erfolgreiche Projekte leider nicht umgekehrt werden.“ Dass Zöttl trotzdem über Jahrzehnte weitermachte, zeigt, wie tief seine Verbundenheit mit dem Faustballsport ist. Denn gerade dort, wo die Strukturen kleiner werden und weniger Menschen Verantwortung übernehmen, braucht es Persönlichkeiten, die den Betrieb am Laufen halten.

Die größte Freude bereiten die Kinder

Fragt man Erich Zöttl, welche seiner zahlreichen Aufgaben ihn persönlich am stärksten geprägt hat, muss er nicht lange überlegen. Weder die Tätigkeit als Obmann noch jene als Landespräsident steht an erster Stelle. Seine Antwort ist eindeutig: „Die meiste Freude machte immer und immer noch das Arbeiten mit den Kindern.“ Als Lehrer und Nachwuchstrainer hat Zöttl über Jahrzehnte unzählige junge Menschen begleitet. Für ihn war Faustball dabei immer mehr als ein Sport, bei dem es um Punkte, Sätze und Siege geht. „Für mich war das Arbeiten mit den Kindern ein wichtiger Beitrag zur Integration.“

Gerade im schulischen Umfeld konnte er Kinder unterschiedlicher Herkunft und mit verschiedenen sportlichen Voraussetzungen zusammenbringen. Faustball wurde damit auch zu einem Mittel, Gemeinschaft zu schaffen und jungen Menschen einen Platz innerhalb einer Gruppe zu geben. Wie eng Schule und Faustball für ihn verbunden sind, zeigt ein Erlebnis aus jüngerer Vergangenheit. Selbst als Pensionist betreute Zöttl noch eine Mannschaft der AHS Ödenburgerstraße, seiner ehemaligen Schule, und nahm mit ihr erfolgreich an den Wiener Schulmeisterschaften teil. Auch im School-Olympics-Team war er weiterhin aktiv. Für Zöttl ist dieses Engagement nichts Außergewöhnliches. Solange er mit Kindern arbeiten und ihnen Freude am Sport vermitteln kann, sieht er darin eine sinnvolle Aufgabe. Dabei weiß er, dass der Nachwuchsbereich gerade in einer Großstadt wie Wien vor besonderen Herausforderungen steht. Die Konkurrenz durch andere Sportarten und Freizeitmöglichkeiten ist groß. Der erste Kontakt zum Faustball entsteht meist in der Schule oder über die eigene Familie.

Doch das allein reicht nicht aus, um Kinder langfristig für den Sport zu begeistern. „Dann brauchen die Kinder und Jugendliche Bezugspersonen, die regelmäßig zur Verfügung stehen.“ Genau darin liegt für Zöttl der entscheidende Punkt. Es braucht Menschen, die Woche für Woche am Faustballplatz stehen, Trainingseinheiten vorbereiten, Mannschaften begleiten und für die jungen Spielerinnen und Spieler da sind. Menschen, die Verlässlichkeit vorleben und damit eine Bindung zum Sport ermöglichen. Ein Patentrezept, um den Faustballnachwuchs langfristig zu sichern, hat allerdings auch er nicht. „Aber das ist die entscheidende Frage und stellt sich immer und immer wieder.“

Wenn aus Engagement ein Lebensinhalt wird

Über vier Jahrzehnte Vereinsarbeit bedeuten unzählige Stunden auf dem Sportplatz, bei Wettkämpfen, in Besprechungen und bei organisatorischen Aufgaben. Dazu kommen die vielen kleinen Tätigkeiten, die im Vereinsalltag oft kaum jemand wahrnimmt. Warum investiert jemand auch nach so vielen Jahren weiterhin Zeit und Energie in den Faustballsport? Für Erich Zöttl liegt die Antwort in der Freude an der Arbeit mit jungen Menschen und in seiner Verbundenheit mit dem Verein. Vielleicht hat ihm aber ausgerechnet ein Schüler vor Kurzem die treffendste Erklärung dafür geliefert. „Ein Schüler hat mich vor kurzer Zeit gefragt: ‚Ist Faustball Ihr Hobby?‘ Nach kurzem Nachdenken: ‚Ja. Du hast es auf den Punkt gebracht.‘“

Eine kleine Begegnung, die seine jahrzehntelange Tätigkeit erstaunlich gut zusammenfasst. Faustball ist für Zöttl längst weit mehr als eine Funktion oder eine freiwillig übernommene Aufgabe. Der Sport begleitet ihn seit seiner Kindheit, hat seine berufliche Laufbahn als Lehrer ergänzt und ist auch im Ruhestand ein fester Bestandteil seines Alltags geblieben. Im Jahr des Ehrenamtes wird besonders deutlich, wie wertvoll Menschen wie Erich Zöttl für den Sport sind. Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen müssen, sondern einfach da sind. Die Verantwortung übernehmen, weil es ihnen wichtig ist, dass der Verein weiterbesteht und Kinder die Möglichkeit bekommen, Faustball zu spielen.

Die nächste Generation braucht Vorbilder

Auch nach all den Jahrzehnten blickt Erich Zöttl vor allem nach vorne. Sein größter Wunsch für die Zukunft ist kein bestimmter Meistertitel und auch kein sportlicher Erfolg. Vielmehr hofft er, dass der FV ASKÖ Jedlesee und der Wiener Faustballverband noch lange bestehen bleiben. Dafür braucht es vor allem eines: jüngere Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und die Vereinsarbeit weiterzuführen. Wie kann man sie dazu motivieren? Zöttls Antwort fällt kurz aus, bringt aber seine gesamte Haltung auf den Punkt: „Dafür brauchen die Jüngeren weniger einen Rat, sondern Vorbilder.“

Es ist ein Gedanke, der sich durch seine gesamte Faustballgeschichte zieht. Schon sein Vater lebte ihm das Engagement im Verein vor. Später waren es Lehrer wie Franz Mossböck, die mit Begeisterung etwas Neues aufbauten. Und schließlich wurde Zöttl selbst zu einer jener Personen, die den Faustball über Generationen hinweg weitertragen. Dabei geht es nicht darum, dass jeder junge Mensch eines Tages Obmann oder Landespräsident werden muss. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, sich für andere einzusetzen und zu erfahren, wie viel Freude gemeinsames Engagement machen kann.

Erich Zöttl hat das über Jahrzehnte vorgelebt. Als Spieler, Lehrer, Trainer, Funktionär und Schiedsrichter hat er dem Wiener Faustball unzählige Stunden gewidmet. Sein größter Beitrag liegt dabei vielleicht weniger in den vielen Ämtern, die er bekleidet, sondern in all jenen Kindern und Jugendlichen, denen er den Zugang zum Sport ermöglicht hat.

Jahr des Ehrenamtes

Sie stehen selten im Rampenlicht – und doch sind sie das Fundament unseres Sports: die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Landesverbänden und im Spielbetrieb. Sie pfeifen Spiele, planen Turniere, organisieren Abläufe, betreuen Kinder, koordinieren Fahrten oder springen dort ein, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Ihr Engagement hält den Faustball Tag für Tag am Laufen – oft unbemerkt, aber unverzichtbar.

Deshalb erklärt Faustball Austria das Jahr 2026 zum Jahr des Ehrenamtes. Ziel ist es, sichtbar zu machen, was im Hintergrund geleistet wird, und all jene zu würdigen, die unseren Sport möglich machen.

Der 8. Teil der Serie „Ehrenamt bewegt – Geschichten aus dem Faustball“ handelt über Erich Zöttl. Zuvor sind bereits folgende Storys erschienen:

Ideen für weitere Geschichten gerne an: [email protected].


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