Österreichischer Faustballbund - ÖFBB

18.2.2026

Faustball-Ehrenamtler in Österreich: Norbert Gahleitner – „Der Möglichmacher“

Wenn am 21. und 22. Februar in der Bezirkssporthalle Rohrbach-Berg die besten Frauen- und Männerteams Österreichs um den Hallen-Meistertitel kämpfen, dann steht einer nicht nur organisatorisch im Mittelpunkt: Norbert Gahleitner. Als OK-Chef des Final3, jahrzehntelanger Trainer, Sektionsleiter, Kassier, Verbandsfunktionär – und für viele schlicht der „Faustball-Papa“ von Arnreit – ist er seit über vier Jahrzehnten der Möglichmacher im Hintergrund.

„Ich erhoffe mir tolle Spiele und ein volles Haus in Rohrbach“, sagt er mit Vorfreude. „Die Last der Arbeit verteilt sich auf viele Schultern, es bringen sich alle je nach persönlicher Verfügbarkeit mit unzähligen Stunden ein.“ Genau dieses Miteinander ist es, das ihn antreibt – damals wie heute.

Vom Schulhof in die Erfolgsgeschichte

Zum Faustball kam Gahleitner Ende der 1970er-Jahre über den Schulsport am BRG Rohrbach. „Mich haben generell alle Ballsportarten interessiert“, erzählt er. „In der Schule war es dann Fußball und Faustball, wo es Meisterschaften gab. Da ich im Verein nicht Fußball spielen durfte, gehörte ich dort nicht zu den Besten – und so war es der Faustball, wo ich einen Fixplatz in der Schulmannschaft hatte.“ Mit derselben Mannschaft spielte er auch bei Union Rohrbach-Berg. Die Trainings waren prägend – nicht nur sportlich. „Ich bin damals mit dem Rad die sieben Kilometer ins Training gefahren – einfache Strecke. Damals wurde man noch nicht von den Eltern gefahren, man musste sich selbst darum kümmern.“ Vielleicht war es genau diese Selbstverständlichkeit, Verantwortung zu übernehmen, die seinen weiteren Weg vorzeichnete.

1984 beschlossen einige Mädchen in Arnreit, darunter auch seine spätere Frau Irmgard, mit dem Faustball zu beginnen. Sie suchten einen Betreuer – und fanden Norbert Gahleitner. „Die Jugendlichen kamen nach einigen Monaten auf mich zu, weil sie wussten, dass ich in Rohrbach aktiv gespielt habe. Da ich mit meiner wenigen Erfahrung noch der Beste im ‚Kreise der Unerfahrenen‘ war, habe ich gerne geholfen“, sagt er schmunzelnd.

Was als Freizeitidee begann, wurde zur Erfolgsgeschichte. „Begonnen haben wir mit Fußbällen und Fußballdressen“, erinnert er sich. Im Jänner 1985 stieg das Team in die Hallenmeisterschaft ein. Als 1987 mit dem Aufstieg in die Landesliga eine Nachwuchsmannschaft verpflichtend wurde, war der anfängliche Widerstand groß. „Anfangs haben wir voll gegen diese Verpflichtung gewettert. Im Nachhinein war das ein Segen für uns.“ Denn damit wurde der Grundstein für das Erfolgsmodell Arnreit gelegt. „Die Jugendarbeit war der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg – und ist es bis heute.“ Sein Motto: „Alle zwei Jahre soll eine neue Jugendgruppe gestartet werden.“ In einer Gemeinde mit rund 1.100 Einwohnern keine Selbstverständlichkeit – aber in Arnreit gelebte Realität.

Der Verein als Lebenswerk

Die Zahlen sprechen für sich: über 70 Jugendstaatsmeistertitel seit 1989, Aufstieg in die Frauen-Bundesliga 1991 – und seither ununterbrochen erstklassig. „Und das immer nur mit eigenen Spielerinnen“, betont Gahleitner stolz. Schon im ersten Bundesliga-Jahr folgte 1992 der Meistertitel in der Halle. Zehn Europacupsiege und vier Weltcupsiege kamen hinzu. „Es macht Freude, wenn man den Spielerinnen zu Hause eine Bühne bieten kann“, sagt er. „Wir waren viele Jahre ganz an der Spitze – 27 Mal österreichischer Meister – und da ist es besonders toll, vor hunderten Zuschauern Erfolge feiern zu dürfen.“ Doch auch unabhängig von Titeln ist ihm eines wichtig: „Nur wenn ständig Spielerinnen nachkommen, kann das Niveau gehalten werden.“

Mehr als 20 Jahre war Gahleitner Cheftrainer der Frauen, knapp 30 Jahre Sektionsleiter, 30 Jahre Kassier aller Sektionen der Sportunion Arnreit. Er engagierte sich seit 1991 im OÖ. Faustballverband, war viele Jahre Vizepräsident, arbeitete im Präsidium des ÖFBB mit, war 20 Jahre Pressereferent und ist bis heute Mitglied der Bundesligakommission. Und dann war da noch das Großprojekt Sportanlage: „Die Errichtung der neuen Anlage mit Eröffnung 2000 war ein Meilenstein“, sagt er. „Ich habe unzählige Stunden in Planung und Bau mitgearbeitet.“ Dass das Projekt in dieser Dimension möglich wurde, führt er auch auf die sportlichen Erfolge zurück: „Gefördert wurde das nur, weil wir schon vorher ein Jahrzehnt an der Spitze Österreichs standen.“

Zahlreiche Ehren- und Verdienstzeichen in Gold sowie die Ehrennadel der Gemeinde Arnreit 2015 würdigen sein Engagement. Doch wichtiger als Auszeichnungen ist ihm etwas anderes: „Ein gutes Miteinander im Verein ist ganz entscheidend. Wenn viele Hände helfen, geht alles einfacher und schneller.“

Final3 als Bühne für den Sport

Ein Ehrenamt in dieser Intensität funktioniert nicht allein. „Das geht nur mit Unterstützung der Familie und meiner Frau Irmgard“, betont er. „Unser Leben hat sich immer um den Sport gedreht. Die drei Kinder sind praktisch am Sportplatz aufgewachsen.“ Heute führen Sohn Manfred und Tochter Tanja die Sektionsleitung weiter. „Sie haben erlebt, im Sport mitzugestalten – und sind jetzt selbst als Funktionäre, Schiedsrichter, Trainer und Betreuer tätig.“

Mit dem Hallen-Final3 2026 bringt Arnreit erneut ein nationales Highlight nach Rohrbach-Berg. Neben der sportlichen Spannung freut sich Gahleitner besonders auf ein Detail: „Ich erwarte mir bei etwas weniger Seitenauslauf rassige und interessante Ballwechsel.“ Und dann ist da noch die Liveübertragung im ORF: „Das ist eine tolle Sache. Sie bringt unseren Sport in die Wohnzimmer vieler Zuseher – auch solcher, die ihn vielleicht noch weniger kennen.“

Was treibt jemanden an, über Jahrzehnte hinweg so viel Zeit und Energie zu investieren? „Wenn man Freude am Sport hat, ergibt sich das von selbst“, sagt Gahleitner. „Freude daran, Kindern und Jugendlichen optimale Rahmenbedingungen zu verschaffen – das ist der optimale Antrieb.“ Und wenn die Begeisterung zurückkommt? „Wenn die Gruppe mitmacht, spürt man als Trainer die Begeisterung. Das ist eine Spirale nach oben.“ Norbert Gahleitner hat diese Spirale in Arnreit in Bewegung gesetzt – und über Jahrzehnte am Laufen gehalten. Ohne großes Aufheben. Aber mit umso größerer Wirkung.

Jahr des Ehrenamtes

Sie stehen selten im Rampenlicht – und doch sind sie das Fundament unseres Sports: die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Landesverbänden und im Spielbetrieb. Sie pfeifen Spiele, planen Turniere, organisieren Abläufe, betreuen Kinder, koordinieren Fahrten oder springen dort ein, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Ihr Engagement hält den Faustball Tag für Tag am Laufen – oft unbemerkt, aber unverzichtbar.

Deshalb erklärt Faustball Austria das Jahr 2026 zum Jahr des Ehrenamtes. Ziel ist es, sichtbar zu machen, was im Hintergrund geleistet wird, und all jene zu würdigen, die unseren Sport möglich machen.

Den Auftakt zur zwölfteiligen Serie „Ehrenamt bewegt – Geschichten aus dem Faustball“ macht Norbert Gahleitner.
Ideen für weitere Geschichten gerne an: [email protected].

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