Österreichischer Faustballbund - ÖFBB

28.5.2026

Faustball-Ehrenamtler in Österreich: Helmut Pfanner – „Der Bewahrer“

Es gibt Menschen im Sport, die nie im Rampenlicht stehen – und ohne die trotzdem nichts funktionieren würde. Menschen, die aufbauen, zusammenhalten, organisieren, antreiben. Menschen wie Helmut Pfanner. Wer sich mit Faustball in Vorarlberg beschäftigt, kommt an seinem Namen nicht vorbei. Und doch war es nie das Ziel, sichtbar zu sein. Vielmehr ging es ihm immer um eines: den Faustballsport in Vorarlberg am Leben zu halten.

Der Faustball war schon da, bevor Helmut Pfanner selbst entscheiden konnte, ob er ihn ausüben wollte oder nicht. „Mein Vater war Faustballer, so habe ich als Jugendlicher angefangen“, erzählt er. Kein großer Moment, kein bewusster Einstieg – eher ein Hineinwachsen. Was als Freizeitbeschäftigung begann, entwickelte sich mit den Jahren zu einer tiefen Verbundenheit. Wann genau Faustball für ihn mehr wurde als Training und Spielbetrieb, kann Pfanner heute gar nicht mehr sagen. Irgendwann aber war er Jugendreferent, später auch Schulreferent im Vorarlberger Faustball Verband. „Wir haben damals den Schulsport ganz neu angefangen.“ Es ist typisch für ihn, dass er diesen Wendepunkt nicht groß herausstreicht. Für Pfanner war Ehrenamt nie Karriere, sondern Konsequenz: Wenn etwas gebraucht wird, macht man es eben.

Fast fünf Jahrzehnte für den Nachwuchs

1976, nach Abschluss seines Studiums, begann er als Jugendtrainer bei der TS Schwarzach. Aus einem Engagement wurde eine Lebensaufgabe. „Von da an war ich bis vor zwei Jahren Jugendtrainer in Schwarzach“, sagt er – fast 50 Jahre an der Seitenlinie für seinen Verein. Pfanner formte Generationen von Spielerinnen und Spielern, baute parallel eine ambitionierte Männermannschaft auf und führte sie bis in die Württembergische Verbandsliga. Sportliche Erfolge waren ihm wichtig, aber nie Selbstzweck.

Spätestens mit der eigenen Familie verschob sich der Fokus. Mit drei Töchtern entstand etwas Neues. Frauenfaustball in Schwarzach, Jugendteams, langfristige Entwicklung. „Da meine Frau auch mitgespielt hat, war das quasi ein Familienunternehmen“, sagt Pfanner schmunzelnd. Die Arbeit trug Früchte: Eine Mannschaft spielte sechs Jahre in der 1. Österreichischen Frauen-Bundesliga, gewann zweimal Bronze. Für Pfanner waren es nicht nur Medaillen – es waren gemeinsame Wege, die man gegangen ist.

Der lange Atem eines Funktionärs

Neben dem Vereinsleben wuchs auch die Verantwortung im Verband. Pfanner wurde Vizeobmann, dann Vereinsobmann (1983–2000) und schließlich Präsident des Vorarlberger Faustball Verbandes – ein Amt, das er von 2000 bis 2024 ausübte. 24 Jahre lang führte er den Verband durch sportlich gute Zeiten, aber auch durch Phasen des Rückgangs. „Die größte Herausforderung ist, dass es immer weniger Vereine gibt“, sagt er offen. Heute gibt es in Vorarlberg nur noch zwei Vereine mit aktiver Jugendarbeit. Um Perspektiven zu schaffen, suchte Pfanner neue Wege – etwa durch die Teilnahme an der Ostschweizer Meisterschaft.

„Manche meinen, dass der Faustballsport in Vorarlberg ohne mich schon gestorben wäre“, sagt Pfanner: „Doch er lebt noch – darauf kann ich stolz sein.“ Besonders stolz ist er auf den Schulfaustball. Jahr für Jahr nehmen über 50 Schulmannschaften teil. Ein funktionierendes Modell – auch wenn daraus bislang kein neuer Verein entstanden ist. Für Pfanner kein Grund zur Resignation, sondern Teil der Realität ehrenamtlicher Arbeit.

Investierte Zeit – und ein leiser Appell

Ehrenamt kostet Zeit. Viel Zeit. „Es war schon ein großer Zeitaufwand, aber ein schönes Hobby – und so war das ok“, sagt Pfanner. Diese Haltung zieht sich durch sein gesamtes Wirken: Nicht klagen, sondern machen. Was ihm all die Jahre geblieben ist, sind vor allem die Menschen. „Das Schönste daran ist, dass man viele Gleichinteressierte trifft. Daraus haben sich viele Freundschaften entwickelt.“

Wenn er zurückblickt, nennt er keine Titelstatistiken, sondern Momente: den Jugendstaatsmeistertitel 1978, die Jahre in Württemberg, sechs Siege hintereinander im Österreich-Jugendpokal von Oberösterreich, die Bronzemedaillen in der Frauen-Bundesliga, die Zusammenarbeit mit Tony Diermayr, Ernst Almhofer und Karl Weiss, die Organisation von Länderspielen in Vorarlberg – und die Zeit, in der seine Töchter Teil dieses Weges waren. Und vor allem auch die zweimalige Teilnahme am Masters World Cup mit Linz-Urfahr 2012 in Brasilien und 2015 in Chile, inklusive als Zuseher bei der Männer-WM in Argentinien – waren Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben.

Was würde er Menschen sagen, die überlegen, selbst ein Ehrenamt zu übernehmen? „Dass es sich sicher für sie lohnt.“ Mehr braucht es für ihn nicht. Wer sich engagiert, wächst hinein. „Man sollte kontaktfreudig sein, Jugendliche begeistern können und andere Meinungen akzeptieren“, sagt Pfanner. Vieles davon lernt man erst, wenn man beginnt.

Jahr des Ehrenamtes

Sie stehen selten im Rampenlicht – und doch sind sie das Fundament unseres Sports: die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Landesverbänden und im Spielbetrieb. Sie pfeifen Spiele, planen Turniere, organisieren Abläufe, betreuen Kinder, koordinieren Fahrten oder springen dort ein, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Ihr Engagement hält den Faustball Tag für Tag am Laufen – oft unbemerkt, aber unverzichtbar.

Deshalb erklärt Faustball Austria das Jahr 2026 zum Jahr des Ehrenamtes. Ziel ist es, sichtbar zu machen, was im Hintergrund geleistet wird, und all jene zu würdigen, die unseren Sport möglich machen.

Der zweite Teil der Serie „Ehrenamt bewegt – Geschichten aus dem Faustball“ handelt über Helmut Pfanner. Zuvor ist bereits folgende Story erschienen:

Ideen für weitere Geschichten gerne an: [email protected].

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