Österreichischer Faustballbund - ÖFBB

14.10.2026

Faustball-Ehrenamtlerin in Österreich: Antonia Woitsch – „Die Gestalterin“

Junge Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen, ist für viele Vereine eine Herausforderung. Antonia Woitsch zeigt, wie selbstverständlich Verantwortung trotzdem Teil des eigenen Sports werden kann. Die 26-Jährige engagiert sich bei Union Compact Freistadt, im Präsidium von Faustball Austria und auf internationaler Ebene – und verbindet dabei ihre Leidenschaft für Medien mit dem Wunsch, die Entwicklung des Faustballs aktiv mitzugestalten.

Presseberichte schreiben, Social-Media-Kanäle betreuen, Veranstaltungen medial begleiten, Ideen entwickeln und den Faustball nach außen sichtbar machen – all das gehört heute für Antonia Woitsch ganz selbstverständlich zu ihrem Engagement. Mittlerweile bringt sie ihre Erfahrung nicht nur bei der Union Compact Freistadt ein, sondern auch im Präsidium von Faustball Austria und auf internationaler Ebene. Dabei begann ihr Weg ins Ehrenamt weder mit einem Titel noch mit einer offiziellen Funktion. Woitsch packte einfach dort mit an, wo Unterstützung gebraucht wurde: zunächst bei der Presse- und Social-Media-Arbeit ihres Vereins.

Aus einzelnen Fotos, Beiträgen und Berichten wurden nach und nach immer größere Aufgaben und mehr Verantwortung. Ihr damaliges Studium Medienmanagement lieferte dafür zusätzliches Werkzeug – vieles, was sie dort lernte, konnte sie direkt im Faustball ausprobieren. Dahinter stand von Beginn an der Wunsch, dem eigenen Sport mehr Sichtbarkeit zu geben. „Ich wollte unseren Sport noch mehr unter die Leute bringen und die Möglichkeiten, die uns vor allem Social Media bietet, sinnvoll nutzen“, erzählt sie. Was im Verein begann, weitete sich mit der Zeit aus – zunächst innerhalb von Union Compact Freistadt, mittlerweile auch auf die österreichische Verbandsebene und auf internationale Aufgaben.

Aus Unterstützung wird Verantwortung

Bei Union Compact Freistadt waren zunächst Julian Payrleitner und Thomas Leitner für die Pressearbeit verantwortlich. Woitsch unterstützte sie und übernahm vor allem die Kommunikation rund um die Frauenmannschaft. Mit ihrem wachsenden Interesse an Medien wollte sie jedoch bald mehr machen als klassische Spielberichte. Sie begann, Strukturen zu schaffen. Jede Mannschaft sollte eine Person bestimmen, die für ihren eigenen Social-Media-Auftritt verantwortlich ist. Damit trotzdem ein einheitliches Erscheinungsbild entsteht, entwickelte Woitsch für den Verein eine Brand Identity mit verbindlichen Guidelines.

Die übergeordnete Pressearbeit blieb bei ihr. Bis heute verschickt sie Presseaussendungen nach Spielen, erstellt Vorankündigungen für Instagram und Facebook, informiert über die WhatsApp-Gruppe des Vereins und gestaltet Ergebnispostings, Storys und Beiträge. Im Social-Media-Bereich wird sie mittlerweile von Felix Rockenschaub unterstützt. „Das erfordert sehr viel Organisation, Kreativität und Zeitmanagement“, sagt Woitsch. Gerade während der Saison ist die Medienarbeit eng mit dem sportlichen Alltag verbunden. Ergebnisse müssen kommuniziert, Fotos ausgewählt, Texte geschrieben und bereits die nächste Runde angekündigt werden – häufig dann, wenn das eigene Faustball-Wochenende eigentlich schon vorbei ist.

Dass Woitsch ihre Aufgaben irgendwann über Freistadt hinaus ausweiten würde, war nicht unbedingt geplant. Entscheidend waren für sie vor allem die Menschen, die sie bei Veranstaltungen kennenlernte. Heute unterstützt sie nicht nur Faustball Austria, sondern arbeitet auch bei internationalen Events und Veranstaltungen der International Fistball Association mit. „Solche Events sind immer einzigartig, und es ist erstaunlich, wie viel man dabei jedes Mal voneinander lernen kann“, sagt sie. Besonders reizvoll sei die Zusammenarbeit mit Menschen, die dieselbe Begeisterung für den Faustball teilen. „Zusammen für unseren Sport zu arbeiten, ist für mich etwas ganz Besonderes.“

Dabei kennt Woitsch Veranstaltungen aus zwei Perspektiven: als Athletin auf dem Feld und als Organisatorin beziehungsweise Medienverantwortliche dahinter. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihr etwa das World Tour Final in Mannheim und die U21- und U18-Europameisterschaft 2025 in Freistadt. Dort erlebte sie unmittelbar, was entstehen kann, wenn viele Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. „Dieses Gefühl, Sportlerinnen und Sportlern ein unvergessliches Event zu geben und die Zufriedenheit in ihren Gesichtern am Ende des Tages zu sehen, macht mich jedes Mal sehr stolz.“

Eine Stimme für die Athletinnen und Athleten

Eine besondere Rolle übernimmt Woitsch auch auf internationaler Ebene. Bei den World Games 2022 in Birmingham fragte sie die damalige österreichische Nationalteam-Kapitänin Katharina Lackinger, ob sie deren Position in der IFA-Athletenkommission übernehmen wolle. „Da konnte ich natürlich schwer Nein sagen“, erinnert sich Woitsch mit einem Augenzwinkern.

Heute ist sie Vorsitzende der IFA-Athletenkommission und damit eine wichtige Schnittstelle zwischen aktiven Spielerinnen und Spielern sowie den Entscheidungsträgern im internationalen Verband. Athletinnen und Athleten können sich jederzeit mit Anliegen an die Kommission wenden. Die Themen werden anschließend mit den zuständigen Personen oder im Rahmen der IFA-Board-Meetings eingebracht. Dabei geht es oft um ganz praktische Dinge: Bei internationalen Veranstaltungen erhält die Athletenkommission beispielsweise Informationen zu Spielplänen oder Verpflegung und kann Erfahrungen aus Sicht der Aktiven einbringen. Es ist eine Aufgabe, die gut zu Woitschs gesamtem Engagement passt: nicht nur selbst Teil des Sports zu sein, sondern auch seine Rahmenbedingungen mitzugestalten.

Auch bei Faustball Austria übernimmt Woitsch mittlerweile Verantwortung auf höchster Verbandsebene. Mit 26 Jahren ist sie das jüngste Mitglied des Präsidiums und dort unter anderem im Bereich Kommunikation und Berichterstattung tätig. „Auf dieser Ebene unseren Sport mitgestalten zu können, ist für mich eine große Ehre“, sagt sie. Gerade ihre Tätigkeit im Medienbereich empfindet sie als Win-win-Situation: „Ich kann selbst etwas lernen und gleichzeitig unseren Verband unterstützen.“

Dass junge Menschen in Entscheidungsstrukturen Verantwortung übernehmen, hält Woitsch generell für wichtig. Während erfahrene Funktionärinnen und Funktionäre enorme Erfahrung einbringen, kann die jüngere Generation andere Kompetenzen und Sichtweisen beisteuern – gerade im digitalen Bereich. Voraussetzung dafür sei allerdings Offenheit auf beiden Seiten. „Als Junger mit neuen Ideen stößt man schnell auf Ablehnung, denn ‚das haben wir immer schon so gemacht‘ lässt sich leicht sagen“, sagt Woitsch. Gleichzeitig betont sie, wie wichtig die Arbeit der älteren Generation für funktionierende Vereinsstrukturen ist. Entscheidend sei deshalb der Austausch.

Warum junge Menschen gebraucht werden

Neben all diesen Aufgaben verfolgt Woitsch weiterhin selbst hohe sportliche Ziele. Vereinstraining, Nationalteamtraining, Krafttraining und Wettkämpfe gehören ebenso zu ihrem Alltag wie ihr aktuelles Physiotherapie-Studium. Wie man daneben noch Pressearbeit, Verbandsaufgaben und internationale Tätigkeiten unterbringt? „Manchmal schaffe ich es besser, manchmal weniger gut“, gibt sie offen zu. Das Wichtigste sei Zeitmanagement – und eine Fähigkeit, die sie selbst erst lernen musste: Nein zu sagen. Social-Media-Content wird beispielsweise vorausgeplant, damit Beiträge automatisch veröffentlicht werden können.

Trotzdem gibt es jene Sonntage, an denen sie nach einem eigenen Wettkampf müde nach Hause kommt und die ehrenamtliche Arbeit erst beginnt. „Es gehört viel Disziplin dazu, sich am Sonntagabend, müde vom eigenen Spiel, hinzusetzen und noch die Pressemitteilungen auszuschicken und gleichzeitig den Vorbericht für die nächste Runde zu schreiben.“ Manches passiert deshalb unterwegs – im Zug, im Bus oder zwischen zwei Terminen. Über die Jahre sei vieles zur Routine geworden. Und genau dadurch habe sie gelernt, effizient zu arbeiten.

Gerade beim Thema Ehrenamt sieht Woitsch Unterschiede zwischen den Generationen. Bei Veranstaltungen in Freistadt sei sie im Organisationsteam häufig die einzige junge Person – und seit Jahren auch die einzige Frau. Viele junge Spielerinnen und Spieler möchten neben Training und Wettkämpfen nicht noch zusätzliche Zeit für Vereinsarbeit aufbringen. Diese Haltung könne sie bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Gleichzeitig sieht Woitsch auch eine Verantwortung der jüngeren Generation. „Ich sehe es als eine Art Pflicht an, dass wir Jungen unsere Vereine und Verbände unterstützen.“ Für sie liegt gerade darin eine der großen Stärken eines Vereins: dass Menschen verschiedener Generationen zusammenkommen und voneinander lernen können.

Damit sich mehr Junge engagieren, müsse Ehrenamt aber greifbarer werden. Aufgaben sollten klar beschrieben und der persönliche Mehrwert sichtbar gemacht werden. Gerade im Bereich Social Media seien junge Menschen oft besonders gefragt. Hilfreich sei auch, wenn bereits engagierte Personen ihre Erfahrungen weitergeben – gerne über Vereinsgrenzen hinweg. „Umso wichtiger finde ich es, dass sich junge Menschen trauen mitanzupacken. Denn je mehr sich drübertrauen, desto besser lassen sich Aufgaben aufteilen und der Workload minimieren.“

Freundschaften, Erinnerungen und etwas zurückgeben

Was Woitsch selbst aus ihrem ehrenamtlichen Engagement mitnimmt, lässt sich nur schwer in einer einzelnen Funktion ausdrücken. Es sind vor allem die Menschen. Durch ihre Tätigkeiten entstanden Freundschaften weit über den eigenen Verein hinaus. Dazu kommen Erfahrungen und gemeinsame Momente, die sie wohl ihr ganzes Leben begleiten werden. Gerade der Zusammenhalt, der während intensiver Vorbereitungen entsteht, macht für sie den Reiz des Ehrenamts aus. Wenn viele unterschiedliche Personen gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten und am Ende ein gelungenes Turnier oder eine internationale Veranstaltung entsteht, bleibt mehr als nur das sportliche Ergebnis.

Diese Seite des Faustballs möchte Woitsch auch an die nächste Generation weitergeben. „Nicht nur der Sport allein macht Faustball aus“, sagt sie. „Es sind die Turniere, die Events, die Freundschaften, die zahlreichen Erinnerungen, die unseren Sport auszeichnen.“

Jahr des Ehrenamtes

Sie stehen selten im Rampenlicht – und doch sind sie das Fundament unseres Sports: die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Landesverbänden und im Spielbetrieb. Sie pfeifen Spiele, planen Turniere, organisieren Abläufe, betreuen Kinder, koordinieren Fahrten oder springen dort ein, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Ihr Engagement hält den Faustball Tag für Tag am Laufen – oft unbemerkt, aber unverzichtbar.

Deshalb erklärt Faustball Austria das Jahr 2026 zum Jahr des Ehrenamtes. Ziel ist es, sichtbar zu machen, was im Hintergrund geleistet wird, und all jene zu würdigen, die unseren Sport möglich machen.

Der 7. Teil der Serie „Ehrenamt bewegt – Geschichten aus dem Faustball“ handelt über Antonia Woitsch. Zuvor sind bereits folgende Storys erschienen:

Ideen für weitere Geschichten gerne an: [email protected].


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