
16.9.2026
Faustball-Ehrenamtler in Österreich: Roland Schmoll – „Der Allrounder“
Es gibt Menschen im Sport, die nicht nur eine Aufgabe übernehmen, sondern im Laufe der Jahre fast jede Rolle einmal ausfüllen. Menschen, die spielen, trainieren, organisieren, pfeifen, berichten und Verantwortung übernehmen. Menschen wie Roland Schmoll. Seit mehr als 45 Jahren ist der 59-Jährige mit dem SV MM Frohnleiten verbunden – und längst weit über den Verein hinaus eine prägende Figur des steirischen Faustballs. Geblieben ist er all die Jahre vor allem wegen dem, was Sport am stärksten macht: Gemeinschaft, Freundschaften und die Freude daran, etwas weiterzugeben.
Manchmal beginnt eine lebenslange Verbindung ganz unspektakulär. Bei Roland Schmoll waren es Schulfreunde, die ihn um 1980 mit zum Faustball nahmen. Mehr als 45 Jahre später ist der 59-Jährige noch immer beim SV MM Frohnleiten – als Trainer, Funktionär, Medienarbeiter und einer jener Menschen, die einen Verein über Jahrzehnte mitprägen. Dass aus einem ersten Training ein großer Teil seines Lebens werden würde, war damals nicht abzusehen. Warum er geblieben ist, lässt sich heute dagegen ziemlich einfach erklären: wegen der Menschen.
„Das ist etwas Besonderes bei uns“, sagt Schmoll über Frohnleiten. „Von acht bis 80 Jahren sind wir zusammen.“ Über Generationen hinweg sind aus Mitspielern Freunde geworden, aus Trainingspartnern Wegbegleiter. Genau diese Gemeinschaft ist für ihn bis heute einer der wichtigsten Gründe, weshalb der Faustball nie einfach nur ein Sport war.
Dass Schmoll irgendwann auch Verantwortung abseits des eigenen Spiels übernehmen würde, ergab sich fast von selbst. Schon mit 16 oder 17 Jahren sprang er ein, wenn sein damaliger Trainer berufsbedingt später zum Training kam. Aus ein paar übernommenen Einheiten wurde mit der Zeit immer mehr. Schmoll wuchs in die Trainerrolle hinein – und blieb dabei selbst ambitionierter Spieler.
Vom Bundesligaspieler zum Verantwortlichen
Sportlich führte ihn dieser Weg bis in die höchste österreichische Spielklasse. 1986 gelang Frohnleiten erstmals der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Mehr als 25 Jahre war Schmoll anschließend in der 1. und 2. Bundesliga aktiv. Gleichzeitig fungierte er über viele Jahre als Spielertrainer beziehungsweise Trainer der Bundesliga- und Landesligamannschaften. Dazu kamen unzählige Turnierreisen nach Österreich, Deutschland, Italien, in die Schweiz und nach Tschechien. Schmoll gewann österreichische Meistertitel in den Seniorenklassen 1 und 2 sowie zahlreiche steirische Meisterschaften im Nachwuchs und in der Landesliga. 1988 wurde er zum Sportler des Jahres in Graz-Umgebung gewählt.
So sehr der Faustball zu seinem Alltag gehörte, irgendwann setzte der Körper Grenzen. Drei Knieoperationen – an Kreuzband, Seitenband und Meniskus, betroffen waren beide Knie – machten eine Fortsetzung der Bundesliga-Karriere schließlich unmöglich. Aus dem Faustball zurückgezogen hat sich Schmoll deshalb nie. Nur die Rolle veränderte sich. Heute steht er nicht mehr regelmäßig selbst auf dem Feld, dafür umso häufiger daneben. „Jetzt, wo ich fast 60 bin, bin ich etwas ruhiger geworden“, sagt er. Wenn es körperlich nicht mehr für den aktiven Einsatz reicht, ist er eben als Zuschauer, Linienrichter oder Trainer dabei.
Dieser Übergang passt zu seiner gesamten Laufbahn. Bei Schmoll gab es selten einen klaren Moment, an dem eine Aufgabe endete und die nächste begann. Vieles entwickelte sich parallel – und meist deshalb, weil irgendwo jemand gebraucht wurde.
Eine Aufgabe führte zur nächsten
Auch die Funktionärslaufbahn entstand auf diese Weise. Seit 1994 gehört Schmoll dem Vorstand des SV MM Frohnleiten an. Seine Tätigkeiten lassen sich dabei kaum in eine einzelne Funktionsbezeichnung pressen. Er organisiert Meisterschaftsrunden und Turniere, kümmert sich um Facebook, Instagram und Homepage, hält den Kontakt zu regionalen Medien – und wenn es notwendig ist, hilft er genauso in der Kantine mit.
Auf Verbandsebene verlief die Entwicklung ähnlich. Seit mehr als 35 Jahren ist Schmoll im steirischen Faustballverband tätig, unter anderem als Beglaubigungs-, Medien- und Jugendreferent. Spielberichte kontrollieren, Tabellen führen, Ergebnisse an Medien weitergeben oder Nachwuchsteams bei Bundesländervergleichskämpfen begleiten – über die Jahre kamen viele unterschiedliche Aufgaben zusammen. „Irgendwie kam das automatisch“, sagt Schmoll. „Wenn im Verband jemand aufgehört hat, wurde ich gefragt.“ Was heute nach einer beeindruckenden Liste an Funktionen klingt, beschreibt er selbst eher als fließenden Prozess.
Dazu passte auch seine Tätigkeit als Schiedsrichter. Rund 20 Jahre war Schmoll als ÖFBB-Bundesschiedsrichter im Einsatz. Einer der besonderen Momente: Bei der Frauen-Weltmeisterschaft in Villach stand er als Linienrichter an der Seitenlinie.
2012 wurde sein jahrzehntelanges Engagement auch offiziell gewürdigt. Das Land Steiermark verlieh ihm das Sportverdienstzeichen in Silber für besondere Verdienste auf sportorganisatorischem Gebiet und für die Entwicklung des Sportwesens. Trotz all dieser Funktionen ist Schmoll in den vergangenen Jahren wieder besonders stark zu dem Bereich zurückgekehrt, in dem sein eigenes Engagement einst begonnen hatte: zum Nachwuchs.
Die nächste Generation im Blick

Seit rund zehn Jahren arbeitet Schmoll wieder verstärkt mit den jüngsten Frohnleitner Faustballern. Aktuell trainiert er die U12 und U14. Und die Entwicklung der Mannschaften zeigt, dass sich die Arbeit auszahlt: 2026 holte die U12 in der Halle den österreichischen Meistertitel, auf dem Feld folgte Silber. Die U14 gewann bei der österreichischen Feldmeisterschaft Bronze. Die Medaillen freuen Schmoll – noch wichtiger ist ihm aber das, was davor passiert. „Der Faustballnachwuchs liegt mir besonders am Herzen“, sagt er. Stolz mache ihn vor allem, „zu sehen, wie sich die Jungs von zehn Jahren aufwärts sportlich entwickeln, eine Begeisterung für den Faustballsport zeigen und sich dann auch sportliche Erfolge einstellen“.
Gerade hier schließt sich für ihn ein Kreis. Als Jugendlicher übernahm er selbst erste Trainingseinheiten, weil jemand gebraucht wurde. Heute versucht er nicht nur Spieler auszubilden, sondern auch jüngere Vereinsmitglieder Stück für Stück an Verantwortung heranzuführen. Das gilt besonders für jene Bereiche, die Schmoll derzeit noch stark selbst trägt – etwa die Medienarbeit. Sein Wunsch ist, dass künftig mehr junge Menschen solche Aufgaben übernehmen. Denn so wichtig einzelne engagierte Personen für einen Verein sind: Langfristig funktioniert Ehrenamt nur, wenn Verantwortung weitergegeben wird.
Mehr als Titel und Tabellen
Wenn Schmoll auf mehr als vier Jahrzehnte Faustball zurückblickt, gäbe es genügend sportliche Höhepunkte, die er aufzählen könnte. Bundesliga, Meistertitel, Turniere, Schiedsrichtereinsätze, Auszeichnungen. Doch das Entscheidende liegt für ihn an anderer Stelle. „Aufgrund der vielen Freundschaften auf Vereins- und Verbandsebene hatte und habe ich nach wie vor viel Freude und Spaß am Faustball“, sagt er. Genau diese Beziehungen haben ihn über Jahrzehnte begleitet – und erklären vielleicht besser als jede Statistik, warum aus dem Schuljungen, der um 1980 mit Freunden zum Faustball kam, einer der vielseitigsten Funktionäre des steirischen Faustballs wurde.
Dabei richtet sich sein Blick längst nicht nur zurück. Schmoll möchte mithelfen, den Faustballsport in der Steiermark wieder populärer zu machen – und natürlich besonders in Frohnleiten. Sein sportlicher Wunsch: Der Verein soll sich langfristig wieder in der Bundesliga etablieren. Dafür braucht es Nachwuchs, funktionierende Strukturen und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Schmoll weiß aus eigener Erfahrung, wie so etwas beginnen kann: manchmal mit einer kleinen Aufgabe, die man übernimmt, weil gerade jemand gebraucht wird. Bei ihm sind daraus mehr als 45 Jahre Faustball geworden.
Jahr des Ehrenamtes
Sie stehen selten im Rampenlicht – und doch sind sie das Fundament unseres Sports: die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Landesverbänden und im Spielbetrieb. Sie pfeifen Spiele, planen Turniere, organisieren Abläufe, betreuen Kinder, koordinieren Fahrten oder springen dort ein, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Ihr Engagement hält den Faustball Tag für Tag am Laufen – oft unbemerkt, aber unverzichtbar.
Deshalb erklärt Faustball Austria das Jahr 2026 zum Jahr des Ehrenamtes. Ziel ist es, sichtbar zu machen, was im Hintergrund geleistet wird, und all jene zu würdigen, die unseren Sport möglich machen.
Der 5. Teil der Serie „Ehrenamt bewegt – Geschichten aus dem Faustball“ handelt über Roland Schmoll. Zuvor sind bereits folgende Storys erschienen:
Teil 2: Helmut Pfanner – Der Bewahrer
Teil 4: Alfred Maier – Der Vereinsmensch
Ideen für weitere Geschichten gerne an: [email protected].
