
8.8.2026
Faustball-Ehrenamtler in Österreich: Alfred Maier – „Der Vereinsmensch“
Es gibt Menschen, deren Name untrennbar mit einem Verein verbunden ist. Beim FBV Grieskirchen fällt dieser Name seit Jahrzehnten immer wieder: Alfred „Fred“ Maier. Fragt man Spielerinnen, Spieler, Trainerinnen oder Funktionäre nach ihm, erzählen sie nicht zuerst von Titeln oder Funktionen. Sie sprechen von einem Menschen, der immer da war. Der Trainings leitete, Plätze herrichtete, Veranstaltungen organisierte, Kinder begeisterte und Generationen von Faustballerinnen und Faustballern geprägt hat.
Eva Klausner kennt Alfred Maier seit rund 30 Jahren. Damals besuchte sie den Faustball-Freigegenstand in der Hauptschule. Über den gemeinsamen Tennisverein ihrer Eltern wurde Fred auf sie aufmerksam und holte sie zum FBV Grieskirchen. „Eigentlich hat er meine ganze Jugend geprägt“, erzählt sie. „Er hat schon damals für den Faustball gebrannt und seine ganze Motivation in die Jugendarbeit gesteckt.“ Für sie war Alfred nie nur Trainer. Bei Staatsmeisterschaften oder mehrtägigen Veranstaltungen war er Ansprechpartner, Aufsichtsperson und gleichzeitig jemand, der immer für einen Spaß zu haben war.
Viele Jahre später profitiert sie noch immer von dem, was sie damals gelernt hat. Nach einer längeren Pause kehrte sie auf den Faustballplatz zurück. „Ich konnte sofort wieder anknüpfen, weil ich vieles aus meiner Jugend verinnerlicht habe.“ Einer seiner Sätze begleitet sie bis heute: „Locker in den Füßen.“ Wer versucht, Alfred Maier auf eine einzige Rolle zu reduzieren, scheitert meist schnell. Trainer? Organisator? Funktionär? Für Eva Klausner lautet die Antwort: „Eigentlich kann man ihm gar keine konkrete Rolle zuordnen. Im Grunde ist er das Mädchen für alles.“

Auch Fabian Greifeneder erlebt das seit mittlerweile 20 Jahren. Als Volksschüler begann er beim FBV Grieskirchen mit dem Faustball, Alfred war sein erster Jugendtrainer. Später trainierten beide gemeinsam Nachwuchsteams, heute arbeitet Greifeneder als Vize-Obmann an seiner Seite. Was ihn besonders beeindruckt? „Ganz klar: sein unerschöpflicher Einsatz.“
Während andere nach einem langen Arbeitstag Feierabend machen, stand Alfred oft noch stundenlang am Faustballplatz. Greifeneder erinnert sich an das Frühjahr nach der Rasensanierung, als der Platz durch einen Drifter beschädigt worden war. Woche für Woche verbrachte Alfred rund 20 Stunden damit, den Rasen zu pflegen und wieder spielfähig zu machen. „Egal ob früher mit acht bis zehn Trainings pro Woche oder heute bei solchen Arbeiten – er gibt einfach nie auf.“
Generationen geprägt
Dass Grieskirchen heute als Faustball-Hochburg gilt, ist für viele untrennbar mit Alfred Maier verbunden. Joachim Maier, sein Sohn, bringt es auf den Punkt: „Er hat über Jahrzehnte Kinder für den Faustballsport begeistert und damit großen Anteil daran, dass Faustball in Grieskirchen so tief verwurzelt ist.“ Alfred war Gründungsmitglied des eigenständigen FBV Grieskirchen und steht dem Verein seit dessen Entstehung als Obmann vor. Gleichzeitig engagiert er sich auf Bezirks- und Landesebene als Funktionär und war Mitbegründer des Faustballzentrums Grieskirchen.
Für Eva Holzinger, langjährige Spielerin und heutige Kassierin des Vereins, ist klar: „Fred steht für den FBV Grieskirchen.“ Sie zählt auf, was kaum jemand vollständig wahrnimmt: unzählige Kindertrainings, Schulaktionen, Ferienprogramme, Landes- und Staatsmeisterschaften, Kantinendienst, Platzpflege, Büroarbeit, Gespräche mit Gemeinde und Verband, Bau und Renovierung der Vereinshütte. „Faustball und der Verein sind von außen betrachtet sein Leben.“

Viele erfolgreiche Faustballerinnen und Faustballer machten ihre ersten Schritte unter Alfred Maier. Namen wie Karl Rick, Eva Holzinger, Magda Leibetseder, Theresa Eidenhammer oder Lukas Eidenhammer stehen stellvertretend für viele weitere. Dabei ging es ihm nie zuerst um Titel. Viel wichtiger war ihm, Kindern die Grundlagen beizubringen – oft mit bemerkenswerter Geduld.
„Er konnte stundenlang mit einem U8-Kind üben, in die Knie zu gehen“, erzählt Fabian Greifeneder. Seine beiden Leitsätze kennt praktisch jeder im Verein: „Locker in den Füßen!“ und „In die Knie gehen!“ Diese Geduld zahlte sich aus. Zahlreiche Nachwuchstitel, Landes- und Staatsmeisterschaften sowie internationale Karrieren gingen aus seiner Arbeit hervor. Noch heute hilft Alfred regelmäßig beim Kindertraining mit und unterstützt junge Trainerinnen und Trainer mit seiner Erfahrung.
Die Bereitschaft zur Verantwortung
Wer Alfred bei großen Erfolgen beobachtet, erlebt keinen Funktionär, der sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Eva Holzinger erinnert sich an zahlreiche Momente nach Meisterschaften oder Aufstiegen. „Er steht oft etwas abseits vom Geschehen, aber man sieht ihm die Freude an. Manchmal hat er Tränen in den Augen, weil er so stolz auf seine Schützlinge und seinen Verein ist.“ Diese Bescheidenheit zieht sich durch sein gesamtes Wirken. Viele Veranstaltungen wurden vom FBV Grieskirchen organisiert, weil Alfred bereit war, Verantwortung zu übernehmen – oft dann, wenn sich sonst niemand fand.
Auf die Frage, was ohne Alfred Maier heute anders wäre, fallen die Antworten erstaunlich ähnlich aus. „Ich denke, ohne Fred würde es den FBV Grieskirchen nicht mehr geben“, sagt Eva Klausner. „Wahrscheinlich gäbe es keine Faustball-Hochburg Grieskirchen“, ergänzt Joachim Maier. Und Eva Holzinger ist überzeugt: „Es gäbe deutlich weniger Jugendarbeit, viele erfolgreiche Spielerinnen und Spieler hätten vielleicht nie mit Faustball begonnen und der Verein wäre nie zu dem geworden, was er heute ist.“

Vielleicht beschreibt genau das Alfred Maiers Lebenswerk am besten. Nicht einzelne Titel oder Funktionen stehen im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die durch ihn zum Faustball gefunden haben – und heute selbst Verantwortung übernehmen. Verlässlich. Geduldig. Routiniert. Das sind Begriffe, die immer wieder im Zusammenhang mit Alfred Maier und seiner Arbeit fallen. Oder, wie Fabian Greifeneder sagt: „Entspannt – und manchmal auch unorthodox.“
Eigenschaften, die Alfred Maier seit Jahrzehnten auszeichnen. Und die dafür sorgen, dass Generationen von Faustballerinnen und Faustballern nicht nur den Sport gelernt haben, sondern auch, was Ehrenamt bedeuten kann.
Jahr des Ehrenamtes
Sie stehen selten im Rampenlicht – und doch sind sie das Fundament unseres Sports: die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Landesverbänden und im Spielbetrieb. Sie pfeifen Spiele, planen Turniere, organisieren Abläufe, betreuen Kinder, koordinieren Fahrten oder springen dort ein, wo gerade Hilfe gebraucht wird. Ihr Engagement hält den Faustball Tag für Tag am Laufen – oft unbemerkt, aber unverzichtbar.
Deshalb erklärt Faustball Austria das Jahr 2026 zum Jahr des Ehrenamtes. Ziel ist es, sichtbar zu machen, was im Hintergrund geleistet wird, und all jene zu würdigen, die unseren Sport möglich machen.
Der dritte Teil der Serie „Ehrenamt bewegt – Geschichten aus dem Faustball“ handelt über Birgit und Gerald Kempinger. Zuvor sind bereits folgende Storys erschienen:
Teil 2: Helmut Pfanner – Der Bewahrer
Ideen für weitere Geschichten gerne an: [email protected].
